Neues Kapitel

Heute war es soweit.

Ich bin zur Uni gefahren, wie sooft in den letzten Jahren, doch heute war es anders. Völlig getränkt von gemischten Gefühlen bin ich durch die alten und bekannten Gemäuer gelaufen und wusste dabei kaum wie ich mich fühlen soll. Bin ich traurig, dass es vorbei ist – bin ich froh, dass es geschafft ist? Selbst jetzt, indem ich die Zeilen vor mir sehe, weiß ich nicht wie es mir damit geht. Meine Kurse sind schon lange Geschichte, die letzte Prüfung ist bestanden, die Bücher zurückgebracht und das Zeugnis artig in der Klarsichtfolie im Ordner. Heute war der Tag der Exmatrikulierung. Ich bin fertig, durch, habs wahrhaftig geschafft. Wenn ich hier auf meinem “mal-mehr-mal-weniger-geführten-Blog” nachlese.

Ein Stein fiel mir vom Herzen. Jetzt – hat man ganz andere Sorgen. Studium, Semester, Vorlesungen, Seminare, Lernen, Referate, Klausuren &&&… und nebenbei darf man sich noch Sorgen um das liebe Geld machen[…] (Oktober,2010)

Mit meinem Studium haben sich zum Teil Türen geschlossen, aber auch mehrere geöffnet. Es ist spannend und angsterregend zur gleichen Zeit… es ist ein Schritt, den ICH für mich gehen wollte…. und weiter gehen werde und ich hoffe, dass ich den richtigen Weg eingeschlagen habe und mein Ziel erreiche….

(Oktober,2010)

Das waren meine Sorgen, meine Ängste zu Beginn meines Studiums. Schaff ich es? Wie schaff ich das und was wird mir alles passieren, auf dem Weg zum Ziel. Und wenn ich retroperspektiv auf die Jahre blicke, Gott waren es schöne Jahre. Wie viel Freude mir meine Kommilitonen bereitet haben, die neuen Menschen, die ganz anderen Gespräche und Geschichten. Die eben zitierten zugeschlossenen Türen, sind es zum Teil bis heute und die neuen Türen, haben mich zu dem werden lassen, was ich heute bin: MELINA. Ich bin so stolz auf mich, so stolz, dass ich Job, Studium und Privates unter einen Hut bringen konnte. Was hatte ich anfänglich für depressive Momente, wollte alles hinschmeißen, wollte aufgeben und wo stehe ich jetzt? Kurz vorm Referendariat, mit einem tollen Mann an meiner Seite, einer perfekten Familie die mich all die Jahre bestärkt und unterstützt hat und die ganzen Freundschaften, die einen kurzlebig, die anderen langlebig. Welch positives Resüme.

Und doch lässt die Sorge vor dem neuen Schritt nicht ab, was erwartet mich jetzt und bin ich dem ganzen gewachsen? Der folgende Schritt ist unablässig, er wird meine “Ausbildung”, mein Studium komplettieren. Das die Theorie. Ich bin so gespannt, voller Freude und doch könnte ich die Ängste, die ich vor dem Studium hatte, hier erneut formulieren.

Alles was ich angefasst habe, habe ich mit voller Kraft versucht, alles hat mich stärker werden lassen und den kommenden Schritt werde ich offenherzig bestreiten, mit all den Höhen und Tiefen, komme was wolle. “Zähne hoch und Kopf zusammenbeißen” (H. Erhardt) – ich schaff das schon. irgendwie.

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Schitte.

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Es geht weiter – nicht rasten – weiter machen und dabei nicht den Blick fürs Wesentliche verlieren. Guck nach vorne, streb dein Ziel an und versage nicht! Seit Jahren strebst du nichts anderes an, alles was du bisher getan hast, hast du genau für diesen Moment getan. Endspurt und nicht hinfallen! Du schaffst das schon, du schaffst das schon. BRRRRR. Handy. “Hi M. bist du das Wochenende in der Heimat? Lust zu feiern?” NEIN BRRRR.“Mh, schade, dachte halt, das wäre mal wieder nett.” SPAGAT.Lernen, Zeit für mich, Zeit für dich, Zeit für Euch und das Ziel im Kopf. STOP

Das Kleine.

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Das Kleine. Es ist Bestandtiel des Großen und doch wird es oftmals übersehen und weniger mit Relevanz gefüllt. Es ist da. Es umgibt uns. Es wird immer dort sein. Der Blick ist dem Kleinen oft nicht mehr gewachsen, er scheint verkümmert und überblickt lediglich die große Masse, das große Ganze. Das Kleine kann buchstäblich klein sein oder es kann ihm schlichtweg eine kleine Bedeutung zuteilwerden. Was es auch immer als klein definiert – es ist viel größer als wir denken.

Innerhalb meines Studiums habe ich viele Kunstseminare zum Thema “Kulturen und die Ästhetik des Kleinen” besucht. Es ist unfassbar wie viele kleine, fragmentalisch und detaillierte Dinge uns täglich begegnen und wir sie einfach übersehen. Miniatur, kleine Formen, die oftmals viel präziser und komulierter daherkommen und eine ganz eigene Ästhetik mit sich bringen. Achtsam und Sensibiliert sein, um diese kleine Form überhaupt erfassen zu können. Texte, miniatur Prosa und kleine Kunst sind in der heutigen Kunstszene nicht mehr wegdenkbar, doch bereits in der frühen Neuzeit stößt das geschulte Auge auf die kleine Form. Sie wird unterschätzt, oft “beniedlicht” und erfährt schlichtweg selten die Wertung, die etwas großes erfährt.

In unserer Gesellschaft scheint dies ähnlich behaftet zu sein. Die kleinen Taten, die kleinen Gesten wirken oft wertlos im Vergleich zu den gleichwertig “größeren”. Lebensretter und Spendengelder in ÜBERGRÖSSE dämpfen den Wert von den kleinen Formen der Wertschätzung und Nächstenliebe. Dabei hat das Kleine eine Kraft in sich, die das Große nicht für sich beanspruchen kann: Das Kleine wird niemals die Form des Ganzen antasten, sondern lediglich die Materie verändern. Hingegen verändert das Große oftmals auch die Form. Kleine Taten und Gesten sind komprimiert, sie konkretisieren sich auf ein Detail, das eine ganz andere Würdigung mit sich bringt. Es führt zu einem anderen Verständnis von Alltagserfahrung und Sichtweisen die das alltägliche betreffen.

Die Sichtweisen die man heutzutage Dank Facebook&co mitbekommen darf, muss, …was auch immer, spiegeln diese Sicht wieder. Da wird sich beschwert über ehrenamtliche Tätigkeiten die nicht dem Gusto des Herrn F. schmecken. Dass diese Person oder Person X nicht die kleinen Dinge sehen, die auf dem zweiten Blick ganz groß daherzukommen scheinen, dass sich Menschen freiwillig einsetzen, sich bemühen für Andere, versuchen andere Interessen zu vertreten &&&. Das wird nicht gesehen – der Blick zielt aufs Große, auf das Gesamte. Das kleine wird übersehen oder ignoriert.

Augen auf.