Aus dem Leben

Kellnern.


Immer wieder ein Erlebnis – als Kellnerin arbeiten. Einfach faszinierend, wie ein Teil der Gesellschaft, seine Höflichkeit ablegen kann und man von Freundin, Bekannten oder Sonstiges – zur Dienstleisterin wird: KELLNERIN.
„Hey“ , „Ey“und „Machst vier Bier, ne?!“ Anscheinbar verlieren viele Menschen gegenüber Anderen oft den sogenannten Anstand. Verpufft, verflogen sind das Ansehen und die weiteren Tugenden, welche man sooft zugeschrieben bekommt.
Total interessant, wie schmal der Grad zu sein scheint. Kaum war der Feierabend auch schon ausgerufen, wurde die Herren der Schöpfung wieder ganz klein und sagen wir es so, zahm. Ein dickes Fell sollte man in diesem Nebenberuf wohl schon mitbringen, einfach kokett sein und auch die Gäste in die Schranken weisen.
Aber muss man selbst kellnern, um Höflichkeit und Respekt den Mitmenschen auf der Dienstleisterseite entgegenzubringen?
Ich versteh einfach nicht, dass ihr denkt, nur weil ihr euch da bedienen lasst, dass ihr ein Freifahrtschein dafür erworben habt, ein Arschloch zu sein! Unmöglich.

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2 Kommentare zu „Kellnern.

  1. Hallo du da,

    du Verfasserin von melancholisch-genervten bis dir-selbst-Mut-machenden Texten :)
    Na ja gut, ich habe nicht alles gelesen, nur rückwärst ab aktuellem Datum bis heute. Und das war so mein erster Eindruck, wobei ich nicht herauslesen konnte, warum du stimmungsmäßig so drauf bist.
    Habe mich hierher gegoogelt, als ich „der erste Gedanke ist der beste“ eingab.
    Einige Texte gefielen mir spontan recht gut, habe sie auch spontan einfach mal kopiert und in mein „Ich finde Gedichte, die mich irgendwie bewegen im Internet und füge sie daher mal in dieses Sammeldokument ein“-Dokument eingefügt. Ich hoffe, der Gedanke, dass anderen, dir fremden Personen, deine Gehirngeburten Anlass zum Denken gibt, gefällt dir.

    Aber – und jetzt kommt´s: diesen Kellner-Text kann ich ja mal absolut nicht nachvollziehen. Hat mich fast schon ein bisschen geärgert. Dich ärgert es, dass ein Teil der Gesellschaft dich als Kellnerin nicht gebührend wahrnimmt und respektiert, sogar den Anstand verliert.
    Die Art, wie du schreibst, erweckt in mir den Eindruck, dass du selber diesen Beruf nicht ganz so würdigst, wie du es gerne dir gegenüber hättest. Tief innen drin verlächelst du den Job irgendwie, nimmst ihn selber nicht ganz ernst. Für dich ist es eine Tätigkeit, die dir Geld bringt, vermeintlich leicht verdientes Geld.
    Kellner und Bedienungen werden immer und überall gesucht und gebraucht, da wird oft nicht nach Ausbildung, Gastronomiekenntnissen, Qualität etc gefragt. Wie oft habe ich mich schon geärgert, wenn ich Ewigkeiten in einem Lokal saß und um die Aufmerksamkeit der Bedienung kämpfen musste. Sei es beim Bestellen, Bringen der Getränke, Bezahlen… Trotzdem bleibe ich höflich und freundlich und versuche, größtmögliches Verständnis aufzubringen. Ich freue mich ja, wenn jungen Mädels (Azubis, Studentinnen…) die Möglichkeit gegeben wird, sich was dazuzuverdienen. Dennoch sollte man dem Berufsstand denselben Respekt entgegenbringen, den man für sich selber erwartet. Und ihn nicht als leidvolles Übel wahrnehmen und darüber jammern, dass man sein Ansehen verliert.

    Ich selber bin gelernte Hotelfachfrau, die Ausbildung habe ich 1984 bis 1986 oder so gemacht. Bedingt durch jeweils mehrjährige Auslandsaufenthalte in Südamerika, spreche ich mehrere Sprachen fließend. Da ich deshalb einen in aller Herren Länder verstreuten Freundeskreis besitze, habe ich das Glück, viele von ihnen besuchen zu können und Land, Leute, Sprache und Kultur dadurch viel besser kennenzulernen, als mir das als normaler Tourist möglich wäre. Ich habe gute Gymnasien besucht und, durch den Beruf meines Vaters, schon von klein auf auch viele einflussreiche und interessante Persönlichkeiten kennengelernt. Dazu gehören Botschafter, Schauspieler, namhafte Journalisten, Sportler, Abenteurer…. So wurde ich z.B. eingeschult mit Susanne Kronzucker (ja genau, die damals entführt wurde) und mein Vater ist nach einigen gemeinsamen Bergtouren per du mit Reinhold Messner.
    Seit einigen Jahren arbeite ich bei einem großen Fernsehsender, wo ich einen interessanten und verantwortungsvollen Posten bekleide.

    Ich schreibe das alles nicht, um hier mal einen abzudrücken. Möchte lediglich meinen Background, meine Kenntnisse und way of life erklären. Und um darzustellen, dass ich es „nicht nötig habe“, einen Nebenjob auszuüben. Trotzdem bereitet es mir tierischen Spass, jeden Sommer nebenbei als Kellnerin und Bedienung zu arbeiten, am Tisch und am Tresen. Ich nehme mir sogar Urlaub, um bei Weinfesten etc arbeiten zu können. Es ist für mich die pure Entspannung, da es mir einen solchen Spass macht! Und das merken die Gäste, wenn man es mit Liebe macht. Und mit Würde! Das ist das Wichtigste, die WÜRDE! Das ist auch der Grund, warum ich dir schreibe. Du musst dir aneignen, deinen Kellnerjob WÜRDEVOLL zu betreiben, deine Würde kann dir keiner nehmen! Und keiner kann dich abfällig behandeln, wenn er die Würde in dir spürt! Betrachte die Gäste als DEINE Gäste – und DU bist die Gastgeberin. Niemand verliert den Anstand gegenüber der Gastgeberin. Schließlich ist sie diejenige, die einen auf nette und freundliche Art und Weise mit Essen und Trinken versorgt und natürlich gerne auf Sonderwünsche eingeht. Schließlich möchte sie, dass IHRE Gäste sich bei ihr wohlfühlen. Dies tut sie aber nicht unterwürfig, gehetzt und genervt, nein, sie bleibt würdevoll bestimmt, denn ihre Gäste kommen zu IHR.

    Verstehst du, was ich meine? So wie du dich siehst und darstellst, werden die Gäste dich auch sehen. Wenn sie merken, dass du selber den Job nicht ganz ernst nimmst oder eigentlich lieber was anderes machen würdest, dann wirst du auch genauso behandelt. Und das versetzt dich dann in Ärger. Zeige ihnen, dass du es gerne machst und du bietest erst gar keine Angriffsfläche. Das werden dann auch deine Freunde merken.

    Klar, das ist nicht immer einfach, manchmal gibt es richtige A…löcher, die einfach über alles meckern. Die werden dann extra super freundlich bedient, bis sie sich schämen.

    Ich hoffe, ich bin dir nicht zu nahe getreten und vielleicht hilft dir mein Schreiben, deinen Job gelassener und WÜRDEVOLLER anzugehen.

    In diesem Sinne, wünsche dir ein schönes und sonniges Wochenende und viel Erfolg beim Bedienen deiner Gäste! :)

    Liebe Grüße
    Petra

    1. Wahnsinn – danke für diese sehr, sehr intensive Auseinandersetzung.
      Letztendlich scheint es aber falsch rüber gekommen zu sein, mir macht der Beruf neben meinem
      Studium schon Spaß und Freude – Den Post habe ich direkt nach einem echt kritischen Abend
      verfasst, nennen wir ihn unüberlegt, aber dafür halt sehr gefühlsintensiv ;)
      Ich hoffe, du hast dich nicht auf die Füße getreten gefühlt,
      ich poste was ich im Moment denke, manchmal denke ich danach anders, manchmal wiederum ein Jahr
      danach anders.
      Es ist wie es ist. Aber unverkennbar schätze ich meine Nebentätigkeit sehr :)

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